1923

HINTERGRUND

• 1919 bricht der grösste Eisenbahnerstreik Bulgariens aus, der ganze 3 Monate dauert.

Mein Großvater ist einer der Aktivisten im Streikkomtee von Zlati Dol und wird festgenommen.

Am 18. April 1920 übernimmt er die Rückführung der in den südlichen Territorien gebliebenen Unternehmens Bulgarische Lokomotive von Dedeagatsch in den nordlichen Territorien Bulgariens. Die Staatgrenze wird neu festgelegt bei Svilengrad, nicht weit von Zlati dol. Am 1. Juli 1920 wird er Chef des Lokomotivdepots Zlati Dol.

• 1919, am 1. Januar, wird Sofronij zum Diakon im Exarchat in Konstantinopel berufen. Er arbeitet als Religionslehrer an der Sekundarschule «Josif der I» in Peras. Sofronij wird zum Vertreter der ethnischen Bulgaren der maronischen Eparchie im Parlament von Sofia gewählt. Er schlägt ein demokratisches Eparchie-Statut vor, in dem die Kirche, wie auch Zivilpersonen zusammen entscheiden dürfen.

In der Nacht zum 9. Juni 1923 findet ein Putsch gegen den Bauern-Regierungschef statt. Die politischen Kämpfe in Bulgarien enden am 23. September mit dem Seprtember-Aufstand. Einer der Führer des Aufstands ist Georgi Dimitrov. Diese verspätete Auflehnung wird in nur wenigen Tagen mit mehr als 20.000 Opfern und einem Sieg der Armee blutig beendet. Die Macht wird von rechtsorientierten Politikern übernommen.

Einige Tage vor dem 9. Juni 1923 bekommt mein Großvater Stityan Mihaylov ein streng geheimes Regierungstelegramm. Alle Dampfmaschinen und seine Untergeordneten sollen in Bereitschaft sein. Die Armee übernähme das Grenzgebiet.

Nach dem September-Aufstand wird mein Großvater vom Transportminister beauftragt, eine Liste mit Namen seiner Untergeordneten, die Kommunisten sind, zu erstellen. Er antwortet telegrafisch: «Alle meine Angestellten sind gute Eisenbahner, die ihre Pflichten zuverlässig erfüllen». Damit schützt er mehrere Menschen vor Repressionsmassnahmen.

• 1922–1924 studiert Sofronij am Kirchenrechtsinstitut in Strassburg. In seiner Doktorarbeit erforscht er die Beziehungen zwischen der Reformierten und der Katholischen Kirche und deren sozialen Strukturen. Sofronij wendet seine Kenntnisse an und lässt sie später bei seiner Arbeit mit Kirchgemeinden auf dem Südost Balkan wirken.

Im März 1925 bringt die rechte Regierung ein Gesetz zum Schutz des Staates heraus, das sich eindeutig gegen die Kommunisten richtet. Daraufhin verübt die Kommunistische Partei am 16. April 1925 einen Bombenanschlag auf die Kirche der Heiligen Nedelja, wobei mehr als 150 Menschen ums Leben kommen. Zar Boris III, dem dieser Anschlag gilt, ist zufälligerweise nicht anwesend. Scharfe Massnahmen sind die Folge dieses Anschlags. Vom April bis Oktober 1925 gilt der Ausnahmezustand. Die bisherigen Sympathien für den Kommunismus sind nun erheblich zurückgegangen.

Die Hoffnungen der Bulgaren auf eine Grenzrevision die verlorenen Territorien zurück zu bekommen werden auf der Konferenz von Lausanne enttäuscht. Den für den Handel sehr wichtigen Zugang zur Ägäis, den Bulgarien nach Art. 48 von Neuilly bekommen sollte, hatte es nie erhalten. Es strömen hunderttausende Flüchtlinge von Nordgriechenland in die neuen Territorien Bulgariens.

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